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| Centro Ippico Casentinese: Reiterhof zwischen bewaldeten Höhen |
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Im Frühtau zu Berge
Vom Rücke eines Pferdes aus betrachtet ist der Blick über die Hügel des
Casentino noch viel schöner
Die Sonne löst die letzten Morgennebel auf, ein kühler Wind
fächelt die Haut, während ich mit meinem Reitlehrer Gianluca
Bambi den Hof verlasse. Mein Araberwallach Ettore folgt der
rotbraunen Alessia auf einem Trampelpfad. Wir queren einen
Bach dann schlängelt sich der Weg durch einen dichten Wald
aus Kastanien, Eichen und Akazien. Der Duft der weißen Blüten
begleitet uns bis zur Hochebene, auf der ein Gehöft aus
dem 11. Jahrhundert liegt. Es diente einmal als Pest-Krankenhaus.
Als ich meinen Foto zücke, rückt mein Reitlehrer seinen
Hemdkragen zurecht. „Wie sehe ich aus?“, fragt Gianluca und
streicht sich das dunkle Haar aus der Stirn.
Die Pferde tragen uns durch die Macchia, den
immergrünen, mediterranen Buschwald.
Noch ein paar Minuten genießen wir den Blick über das Val di
Chiana. In der Ferne verschwimmt der Lago Trasimeno. Davor
kann man die Türme von Arezzo erahnen.
Weiter geht`s über Stock und Stein zum Monte Ferrano hinauf.
Vor dem Castello von Bibbiano lassen wir unsere Pferde an
einem Brunnen trinken. „Am liebsten würde ich mir eines
Tages so ein kleines Castello kaufen, es renovieren und darin
wohnen“, schwärmt er. Ein Auto fährt an uns vorbei, es wird
das einzige auf unserem gesamten Tagesritt sein.
Auf einem Feldweg lassen wir Bibbiano hinter uns. Die Pferde
tragen uns durch die Macchia, den immergrünen, mediterranen
Buschwald aus Ginster- und Wacholdersträuchen. „Che
profumo!“,- welch ein Duft, sagt Gianluca. Das empfindet
mein Wallach Ettore ebenso, zupft ein paar Kräuter ab, kaut
zufrieden darauf herum und trottet mit mir entspannt durch den
Buschwald zum Poggio Grillo, einer Anhöhe von 700 Metern.
Ich schließe sanft die Hände um die Zügel und Etorre steht
sofort. Ich bin überrascht, wie sensibel er zu reiten ist. Sein
Besitzer bemerkt es und lächelt: „Ich habe dir mein Lieblingspferd
gegeben.“ Die Sonne taucht die Landschaft in pastellfarbenes
Licht, legt einen Bronzeschimmer auf unsere Haut. „Jetzt
weißt du, warum wir letztes Jahr von Florenz hierher gezogen
sind.“ Gianluca Bambi ist im Hauptberuf Dozent für Forst- und
Agrarwissenschaften an der Universität in Florenz.

“Ich habe auch schon Wölfe gesehen. Aber die
sieht man nur Nachts.”
Mein Reitlehrer entdeckt Spuren eines Hirschs. „Ich habe auch
schon Wölfe gesehen. Aber die trifft man nur nachts oder sehr
früh morgens.“ Der Weg wird breiter und lädt zu einem Galopp
ein. Alessia und Ettore bringen uns in Windeseile zum nächsten
Waldrand . Immer wieder blitzen rote, gelbe oder pinkfarbene
Tupfen im Grün auf. Walderdbeeren, wilde Orchideen, weiße
Anemonen. Zwei Rehe zupfen einige Meter entfernt frisches
Gras und blicken nur kurz auf als wir uns nähern . Das Rufen
eines Kuckucks begleitet uns.
Erschrocken unterbrechen zwei Goldfasane ihren Balztanz und
flattern vor uns auf. Etorre und Alessia reagieren gelassen. Für
sie sind Fasane und Rebhühner ein gewohnter Anblick.
Ein Wanderer mit wettergegerbten Gesicht und olivgrüner
Hose begegnet uns. Drei Hunde springen um ihn herum. Wild
wedelnd durchsuchen sie mit ihren Nasen Gebüsch und Gras.
„Wir sind auf Trüffelsuche“, erklärt der Mann und hält uns ein
paar schwarze, daumendicke Knollen unter die Nase, die ein
wenig nach fauligem Laub riechen. „Die weißen sind die besten“,
sagt Gianluca. „Aber auch die wertvollsten und in dieser
Gegend nicht leicht zu finden“.
Bald darauf plätschert neben uns wieder das Bächlein des Lavanzone.
Nachdem Ettore und Alessia den Bergbach durchquert
haben , taucht vor uns der Hof „Il Ginepro“, zu deutsch:
„der Wacholder“ auf, mit seinen weitläufigen Koppeln, und
Terasssen, auf denen Gianluca gerade einen großen Reitplatz
bauen lässt. Die Pferde kommen uns zur Begrüßung entgegen.
Als mein Schimmel und die braune Stute wieder zwischen
den anderen grasen, haben die Berge um uns herum bereits einen
Goldschleier angelegt. Ich setze mich auf die kleine Bank
neben die beiden gähnenden Katzen, schließe die Augen und
reite in Gedanken noch ein zweites Mal durch meinen Traum.
Text: Sandra Langenfeld || Fotos: Andreas Lobe
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